Erstes Wildkatzendorf Deutschlands eröffnet im Wartburgkreis
Porträt
Wird am Dienstag zwei Jahre alt: einer der beiden Schweizer Wildkater, die seit dem 10. März im Wildkatzengehege in Hütscheroda (Wartburgkreis) zuhause sind. Am Sonntag, 1. April, wird das bundesweit erste Wildkatzendort mit einem Familientag offiziell eröffnet. Foto: Peter Michaelis
Das erste Wildkatzendorf Deutschlands wird am Sonntag in Hütscheroda offiziell eröffnet. Dort sollen Besucher umfassend über die vom Aussterben bedrohte Katzenart informiert werden sowie die Tiere natürlich auch angeschaut werden können.
Hütscheroda. Typisch eidgenössische Zurückhaltung: Zwei Wildkater aus dem Schweizer Natur- und Tierpark Goldau, die am 10. März im Wildkatzengehege in Hütscheroda im Wartburgkreis ankamen, wagten sich zunächst nicht aus den Boxen heraus, in denen sie angereist und nun in das etwa 550 Quadratmeter große Freigehege im Hainich gesetzt worden waren. Lange harrten sie in den engen Unterkünften aus, ehe sie der Hunger, die Neugier oder vielleicht auch der Bewegungsdrang endlich ins Freie zog.Ganz anders hingegen die beiden "Kuder" - wie die männlichen Wildkatzen in der Jägersprache heißen - die im Biotopwildpark Anholter Schweiz in Nordrhein-Westfalen zur Welt kamen und am selben Tag nach Thüringen gebracht wurden: Sie hielten sich nicht länger als nötig in ihren Holzkisten auf, sondern stürmten nach draußen, sobald sich die Türen öffneten. "Kein Wunder, das Gelände ähnelt dem, in dem sie ihr erstes Lebensjahr verbracht haben", sagt Claudia Wilhelm, Geschäftsführerin der Wildtierland Hainich gGmbH und eine von derzeit drei Mitarbeitern mit einer Vollzeitstelle. Inzwischen haben jedoch auch die Neuankömmlinge aus der Schweiz, die heute zwei Jahre alt werden, ihr neues Zuhause angenommen.
Viel Geld investiert
Die vier Kater zu beobachten, wird indes reine Glückssache sein. Nicht nur, weil ein Sichtschutz rings um die nach neuesten tiergärtnerischen Gesichtspunkten gestaltete Schauanlage einen zooartigen Blick auf die Tiere verhindert. Wildkatzen sind auch sehr scheue und vor allem in der Dämmerung und Dunkelheit aktive Tiere, die sich am Tage hervorragend tarnen und von Laien kaum auszumachen sind. "Man muss schon etwas Zeit mitbringen", rät Claudia Wilhelm, die sich von den Besuchern generell erhofft, dass sie sich von der Ruhe der Tiere anstecken lassen.
Mit der bundesweit einzigartigen Anlage, zu der das am Ortseingang in einer Fachwerkscheune eingerichtete Informationszentrum und der Wildkatzenpfad nebst Aussichtsplattform gehören, verbindet der Träger vor allem ein Anliegen: die Wildkatze als Wappentier der Nationalparkregion sicht- und erlebbar zu machen und über die Faszination der heimischen Raubkatze, ihre Lebensräume und das Ausmaß ihrer Bedrohung aufzuklären. Die scheuen Räuber stehen dabei stellvertretend für Dutzende Tier- und Pflanzenarten, die in Deutschland und in Thüringen vom Aussterben bedroht sind.1,37 Millionen Euro sind in diesem und im vergangenen Jahr in die in der Nähe des Baumkronenpfades gelegene Attraktion geflossen, in erster Linie EU-Mittel. Allein 800.000 Euro wurden in das Informationszentrum investiert, das die erste Anlaufstelle für die Besucher ist und unter anderem eine Großillustration, ein Multimedia-Forum für bis zu 50 Gäste und Themeninseln bietet. Außerdem werden dorthin die Aufnahmen von drei Außenkameras übertragen. Der sieben Kilometer lange Rundwanderweg führt durch den natürlichen Lebensraum der Wildkatze, aber eher kaum zur Begegnung mit einer echten Wildkatze. Um die 50 Exemplare dieser scheuen und der normalen grauen Hauskatze sehr ähnlichen Wesen sollen in den Wäldern des Hainich heute leben, eine genaue Zahl gibt es nicht.Dafür hat der Träger der Einrichtung recht exakte Vorstellungen von der Anzahl der Besucher: 45.000 sollten es in diesem Jahr schon werden, 60.000 im nächsten Jahr. Ob der Parkplatz und zwei mobile Toiletten den zu erwartenden Ansturm verkraften, das wird sich zeigen.
Erstes Wildkatzendorf Deutschlands eröffnet im Wartburgkreis
Kommentare
27.03.12 - 22:54
R. Göhring, BUND Th.
"Ob der Parkplatz und zwei mobile Toiletten den zu erwartenden Ansturm verkraften, das wird sich zeigen." Die Wildkatzenscheune hat drei Herren- und drei Damen-WCs sowie ein barrierefreies WC. An Tagen mit großem Besucheransturm werden zusätzlich Mobiltoiletten aufgestellt und es fährt bei Bedarf ein Pendelbus ab Parkplatz Kindel.