Verwunschener Ort: Ruine Habichtsburg nahe Meiningen
Porträt
Unweit von Schloss Landsberg befindet sich im Meininger Stadtwald die Ruine der Habichtsburg. Foto: Sascha Willms
Thüringens 100 schönste Plätze: Auf der Suche nach einer mittelalterlichen Ruine lässt sich Geschichte erahnen. Unweit des Meininger Stadtwaldes erheben sich auf einem Felssporn die Reste einer unrühmlichen Ritterburg.
Meiningen. Schloss Landsberg, mit seinen Türmen und Zinnen, erscheint vielen Besuchern als ein Märchenschloss. Dörnröschen könnte hier wohnen. Einen weitaus verwunscheneren Ort gibt es nur wenige hundert Meter vom Schloss entfernt. Es ist die Ruine Habichtsburg, die über einen Waldweg zu erwandern ist. Auf der Alten Frankfurter Straße, die im frühen Mittelalter Transportweg der Weinhändler zwischen Gotha, Fulda und Würzburg war. Zwischen Meininger Stadtwald auf der linken Seite und der Haßfurt auf der rechten Seite schlängelt sich der Weg. Die enge Schlucht muss für die Burgerbauer strategisch ideal gewesen sein. Angeblich wurde sie schon im Jahre 909 gegen die Überfälle der Ungarn errichtet. Wer auf der Burg tatsächlich gewohnt hat, ist heute ungewiss. Die Quellenlage ist dünn. Die Chronisten haben später ihre eigenen Erklärung gefunden. Als sicher gilt, dass die Burg zu jenem Paket von Besitztümern gehörte, das Kaiser Heinrich II. dem Bistum Würzburg überschrieb. Im Jahre 1290 soll sie König Rudolf von Habsburg wegen Raubrittertums zerstört haben. Was davon übrig blieb, zerfiel, weil sich auch der Handelsweg ins benachbarte Werratal verlagerte.
Heute sind auf einem Felsenvorsprung nur noch Reste zu sehen. Ein paar Mauern. Das Fundament des Bergfrieds, dessen Außenwände im Fischgrätenmuster gemauert waren. Und ein Brunnen mit drei Metern Durchmesser. Groß kann das Gemäuer, das im Frühjahr von Leberblümchen überwuchert wird, nicht gewesen sein. Experten wollen eine Anlage von bestenfalls 40 mal 70 Meter Seitenlänge ermittelt haben.
Zwischen Glaswand und Königstanne
Dafür ist der Ort ideal für eine Wanderung mit Kindern. Allein der Name Habichtsburg klingt schon wie ein Mythos. Ein echtes Raubritternest, wo gibt es das noch? Der Weg ist eng, der Wald ist dunkel. So steil erheben sich die Berge, dass Vorfahren den Felsen "die Glaswand" nannten. Ein paar Meter weiter streckt sich am Wegesrand ein prächtiger Nadelbaum in die Höhe, der "Königstanne" heißt. Ihr gegenüber befindet sich in einer Grotte ein beliebtes Wallfahrtsziel der Meininger Katholiken, ein kleines Marienbild. Das Halbrund ist im 19. Jahrhundert in den Felsen gesprengt worden. Ein Relief zeigt die Gottesmutter. Davor stehen ein paar Bänke. Im Marienmonat Mai finden hier auch Gottesdienste statt.
Was? Wie viel? Wo?
Autofahrer benutzen in Meiningen die Landsberger Straße in Richtung Fulda.
Hinter der Auffahrt zum Schloss muss man links in den Waldweg einbiegen und wild parken.
Der Wanderweg zur Habichtsburg ist ausgeschildert und dauert etwa 30 Minuten.
Von Meiningen aus kann man auch vom Schloss Elisabethenburg in Richtung Dietzhäuschen rund 3,6 Kilometer zur Haßfurt wandern.