Behinderte beziehen neue Heime in Eisenach und Stockhausen

  • Vorn zeigt sich die Schmelzerhof-Fassade spätbarock, im hinteren Bereich wurde völlig neu gebaut. Foto: Heiko Kleinschmidt Vorn zeigt sich die Schmelzerhof-Fassade spätbarock, im hinteren Bereich wurde völlig neu gebaut. Foto: Heiko Kleinschmidt
Lass die Sonne in dein Herz, spielte die Band "Stolpersteine" und unterhielt zur Einweihungsfeier im Park an der Alten Mühle in der Straße Zum Wehr 12 die Gäste. Bereits im März war der Einzug vollzogen, am 8. Juni wurde groß gefeiert.
Eisenach/Stockhausen. In den beiden Neubauten wohnen Erwachsene, die geistig oder mehrfachbehindert sind, und die bisher im Heim Wenigenlupnitz lebten. Mit dem Bauvorhaben der Diako Diakonie-Verbund Eisenach GmbH wurde nicht nur Wohnraum geschaffen, auch zwei in die Jahre gekommene Gebäude kamen in Handwerkerhände. Während der Schmelzerhof zumindest in Teilen erhalten werden konnte, machte sich in Stockhausen der Abriss erforderlich.

Beide Standorte können aber auf Geschichte verweisen. Der Schmelzerhof in Eisenach war einst die Forstschule der Stadt. Das Haus konnte zunächst im vorderen Bereich zur Schmelzerstraße hin in seinem spätbarocken Stil saniert werden. Nach hinten entstand ein Neubau. Beide Vorhaben betreute das Architekturbüro Sauerbier, Wagner und Giesler.

Vor Baubeginn untersuchten Archäologen den Boden, wurden aber nur selten fündig. Glasscherben waren die Ausbeute. Man hatte sich mehr erhofft. Im Nachbarbereich waren zuvor Teile von Schmelzöfen entdeckt worden. Das im 16. Jahrhundert errichtete Haus war bereits teilweise entkernt worden. Eine Treppe verbindet nun Neubau und Altbestand.

1,4 Millionen Mark wurden in den Schmelzerhof investiert, weitere 1,1 Millionen Mark kostete das Projekt in Stockhausen. Bis vor Kurzem stand dort wirklich noch eine alte Mühle. Allerdings erinnerte kein Mühlrad mehr an die ehemalige Nutzung, aber an den Wänden waren noch Stellen zu entdecken, die sichtbare Zeichen dafür waren.

Das Haus unter Denkmalschutz zu stellen, das wurde schließlich verworfen und das machte den Weg zum Abriss frei. Schon aus Gründen des Brandschutzes war eine Sanierung nicht ratsam und der Komplettrabriss erfolgte.

In beiden Häusern bieten Einzelzimmer den Bewohnern eine eigene Wohnung, teilweise mit eigenem Bad oder ein Nassbereich in Doppelnutzung. Auf den Wohnetagen befinden sich auch die Gemeinschaftsräume einschließlich offener Küchen. Außerdem: Es gibt auf jeder Etage ein Pflegebad mit Platz für Rollstühle oder Lifter.

"Wir bereiten Frühstück, Vesper und Abendessen oft gemeinsam zu. So wird die Selbstständigkeit gefördert", erzählt Julia Thaler, Gruppenleiterin der Alten Mühle. Die Einrichtung der Zimmer konnte man einfach so übernehmen, aber ebenso brachten Bewohner persönliche Dinge mit. Alles kein Problem.

Die Bewohner beider Häuser sind Erwachsene ab 20 Jahre. Einige genießen auch ihr Seniorenalter dort. Die älteste Mitbewohnerin ist 73 Jahre.Tagsüber besuchen die Behinderten Förderbereiche an verschiedenen Orten, einige werden in der Nessetalwerkstatt beschäftigt.

Schmelzerhof und Alte Mühle wurden an ganz verschiedenen Standorten errichtet. Sie bieten die Vorzüge zum einen der Innenstadtnähe und zum anderen den kurzen Weg ins Grüne. Von der Schmelzerstraße auf den Eisenacher Markt ist es nicht weit. "Die Bewohner können so am Stadtleben teilhaben", erläutert Carmen Hild, Gruppenleiterin im Schmelzerhof. Und ein Gartenbereich bietet die Möglichkeit des Rückzuges von der Hektik.

Von Froschstimmen geweckt werden die Bewohner der Alten Mühle. Sie befindet sich am Rand eines Parkes. Das Vögelgezwitscher erfreut dort ebenso wie Plätze im Grünen.

Wein bietet später einmal einen Sonnenschutz

An beiden Häusern gibt es Holzvorbauten, die einmal von Weinranken umgeben sein werden. Die Pflanzungen der Reben erfolgten bereits. Der Wein bietet einen Sonnenschutz.

Die gestrige Einweihungsfeier begann mit einem Gottesdienst, den Probst Reinhard Werneburg gemeinsam mit der Oberin der Evangelisch-Lutherischen Diakonissenhaus-Stiftung, Gabriele Phieler, gestaltete. Dann gab es Gelegenheit zum Gespräch, während die Rockband "Stolpersteine" aufspielte.

Außerdem war ein Busverkehr zum Schmelzerhof eingerichtet, damit die Bewohner aus Eisenach ebenfalls am Einzugsfest teilnehmen konnten. Beide Wohnheime sind behinderten- und rollstuhlgerecht. Die Betreuung gibts rund um die Uhr.


Heiko Kleinschmidt / 09.06.11 / TA
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